Komponisten

Joanna Wozny

Joanna Wozny
Portraittext

Für Joanna Wozny ist Komponieren eine sehr persönliche Sache. Uraufführungen empfindet sie als etwas „sehr Intimes“, sogar etwas fast „Exhibitionistisches“. Die teils unangenehme Spannung, die sie dabei oftmals verspürt, rührt nicht zuletzt daher, dass sie bereits in der Zeit zwischen Fertigstellung und Uraufführung eine distanzierte Haltung zu ihrer Arbeit einnimmt, da sie „vielleicht nicht mehr hundertprozentig mit dem alten Ich konform“ ist. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung und die scheinbare Suche nach Etwas ist in ihrem kompositorischen Schaffen hörbar. Das Gefühl einer stetigen energetischen Eigendynamik lässt einen auch beim Hören ihrer Stücke nicht mehr los. Es entsteht der Eindruck, eine Art „unbewegter Beweger“ setzte die Töne an ihre einzig richtige Stelle.

Am Anfang des kompositorischen Prozesses stehen für Joanna Wozny meist die Instrumente, aus deren Möglichkeiten sie dann spezifische Klänge und Klangfarben entwickelt. Durch das Streben, an die Grenzen der Klanglichkeit zu gehen, ergeben sich sowohl sehr komplex strukturierte als auch klanglich hochdifferenzierte Stücke, die auch technisch an die Grenzen der Spielbarkeit gehen. So zeichnen sich ihre Stücke einerseits durch instrumentenunspezifische Klänge und andererseits durch „Klänge, die sich sozusagen in Zwischenbereichen abspielen“ aus. Extrem hohe und leise Töne in mehreren Abstufungen von sul ponticello bei Streichern oder eine ähnlich differenzierte Aufteilung von verschiedenen Überblasstufen sowie sehr kurze Multiphonikklänge bei Bläsern prägen beispielsweise ihr Trio „Spur der Welle“ (2003). Dort arbeitet sie mit Beschleunigung, Verlangsamung und Periodizität. Auffällig ist die Flüchtigkeit der Töne, die scheinbare Unwichtigkeit der einzelnen Stimmen, die durch oftmals nur angespielte, kurz akzentuierte Töne oder schlicht durch pianissimo evoziert wird. In einem organischen Zusammenspiel von sich wiederholenden Figuren und einer wellenartigen Dynamik wird der Hörer auf komplexe, aber dezente und unaufdringliche Weise mitgenommen. Die Direktheit ist Joanna Woznys Stärke; auch hier hat man den Eindruck, jede Note, sei sie noch so differenziert und leise, muss genau dort sein, wo man sie hört.

Auf Regelsysteme und außermusikalische Sujets greift sie – wenn überhaupt – erst zurück, nachdem sie den Klängen die Freiheit gegeben hat, die sie brauchen, um sich zu entfalten. Dann werden diese „fertigen“ Klänge teilweise mehrmals umgearbeitet oder es wird sozusagen in sie „hineingezoomt“. Diesen Prozess kann man in ihren Kompositionen nachempfinden: Ein paradoxes Gefühl von reflektierter Spontaneität lässt einen nicht mehr los, ist vielleicht die treibende Kraft ihrer Kompositionen.

Mit ihrer speziellen Art, sich der Klänge anzunehmen, die ihr Inneres hervorbringt, nämlich dem Prinzip der Wiederholung und Weiterentwicklung, gelingt es Joanna Wozny einen philosophischen Horizont aufzureißen. Durch die Abwendung von allem nicht Musikimmanenten erfährt der Hörer eine intensive Innerlichkeit, die durch ihre Authentizität und Direktheit fasziniert. Die kleinen Pinselstriche können, aber müssen nicht gehört werden, doch wird man angeregt, eine Sache, sei es die Musik, sei es ein Gedanke, von mehreren Standpunkten aus zu betrachten. Denn erst in der Auseinandersetzung mit mehreren Perspektiven, wie es ihre Musik tut, beginnt das (musikalische) Leben in all seinen Facetten zu leuchten.

(Iris Menke)

Termine

Termine

  1. 18.11.2019, 19:30

    Wien Modern, Konzerthaus Wien, Berio-Saal

    "SAITEN-TASTEN, 21 Innenraum-Studien für das andere Klavier", u.a. mit
    Joanna Wozny: "Inside-Piece" (UA) für Klavier vierhändig

    Mathilde Hoursiangou, Kimiko Krutz, Luca Lavuri, Eriko Muramoto (Klavier)

  2. 25.12.2019, 04:04

    DLF Radionacht

    • Sebastian Stier: "Strahlensatz" für 12 Streicher

    • Joanna Wozny "Vom Verschwinden einer Landschaft II"

    • Leopold Hurt: "Erratischer Block"
    Ensemble Mosaik

    Ensemble Resonanz, Ensemble Recherche, Ensemble Mosaik

Archiv

  1. 01.09.2019, 19:30

    Schwartsche Villa, Berlin

    Joanna Wozny: "divided" für Subbassblockflöte

    XelmYa

  2. 07.06.2019, 19:00

    Tonhalle Düsseldorf

    Joanna Wozny: "silben- meer- farben"

    Ensemble Horizonte

  3. 06.06.2019, 19:30

    Dettmold, Hangar 21

    Joanna Wozny: "silben- meer- farben"

    Ensemble Horizonte

  4. 22.05.2019

    Alte Feuerwache Köln

    "20 Jahre Edition Juliane Klein"
    Doppelporträt-Konzert: "Peter Gahn - Joanna Wozny"

    Peter Gahn: Neues Werk (UA), „Diagonalen in kubischen Räumen I-III“ und „In the third Space“

    Joanna Wozny: Neues Werk (UA), „some remains“ und „suspended“

    E-MEX-Ensemble

  5. 25.03.2019, 21:04

    kulturrario vom rbb,"Musik der Gegenwart"

    "20 Jahre Edition Juliane Klein" - Eine Sendung von Margarete Zander im Gespräch mit Mathias Lehmann
    u.a. mit Ausschnitten aus
    • Hermann Keller: "Konzert für klavier und 13 Instrumentalisten"
    • Juliane Klein: "gehen"
    • Annesley Black: "aorko"
    • Michael Hirsch: "La Didone Abbandonata"
    • Joanna Wozny: "Return"

  6. 02.02.2019, 20:04

    kulturradio vom rbb, "Konzert"

    Joanna Wozny: "Archipel" für Orchester (Sendung des Konzertes beim "Ultraschall-Festival" Berlin am 16.1.2019)

    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Sylvain Cambreling

  7. 17.01.2019, 20:03

    Deutschlandradio Kultur, "Konzert"

    Joanna Wozny: "Achipel" für Orchester
    (Sendung des Konzertes beim "Ultraschall-Festival" Berlin am 16.1.2019)

    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Sylvain Cambreling

  8. 16.01.2019, 20:00

    Ultraschall Festival Berlin

    Joanna Wozny: "Archipel" für Orchester

    DSO Berlin, Ltg.: Sylvain Cambreling

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