Komponisten

Annesley Black

Annesley Black
Portraittext

Es sind die Begegnungen von Bewegung und Statik, von Strukturiertem und Offenem, von Klang und Geräusch, die die Musik von Annesley Black prägen und ihr einen ganz eigenen Charakter verleihen. Den Blick auf das Ganze gerichtet, entfaltet Annesley Black in ihrer Musik an den Berührungspunkten von verschiedenen Ebenen ihre Musiksprache. Dabei steht die Tradition der Neuen Musik, auf der ihrer Ansicht nach Gegenwärtiges aufbauen muss, ebenso im Fokus, wie die unterschiedlichsten Formen der freien und nicht notierten Musik und Kunst in all ihren Ausdrucksformen.

Beispielhaft zeigt dies ihre Ensemblekomposition „LAUF“ aus dem Jahr 2005. Der Beginn von „LAUF“ steht ganz in der Tradition der europäischen Avantgarde. Er ist geprägt von „zwanzig strukturellen Verhältnissen“, so Black, „mit deren Anordnung zum einen Tempi und Formteile kontrolliert, zum anderen aber auch metrische Einheiten, Tonhöhen oder Rhythmen bestimmt werden können.“ Diese feste Struktur wird im zweiten Teil der Komposition mit einer musikalisch viel offeneren Ebene konfrontiert, in deren Zentrum ein von Annesley Black stammenden Gedicht steht:

Laufente – lauf!
Geh weiter.
Vergiss nicht: Dein Weg.

„Die Rhythmen, Silbenanteile und Phoneme des Gedichts nehmen“, so Black, „eine ähnliche Funktion ein wie die strukturellen Verhältnisse des ersten Teiles. Es entsteht ein Konflikt in der Vorgehensweise des Komponierens: ein Kampf um die Autorität zur Beherrschung des Materials. Indem ich die Strukturen meines eigenen Gedichts auf die zuvor eingeführten Verhältnisse projiziere, versuche ich mir das scheinbar fremde abstrakte System zueigen zu machen. […] Der Laufente als Metapher für ein Prinzip des Defizitären gilt meine Sympathie.“

Das Bild der Laufente ist paradigmatisch für Annesley Blacks Affinität zur „Bewegung“ als Konstruktionsprinzip, sowie für den Sachverhalt, dass diese Bewegung zumeist gebremst, gestört, asynchron zur Musik verschoben oder ironisch gebrochen erscheint. Mehrere Titel von Blacks Musik nehmen direkt auf Bewegungsmuster Bezug, so z.B. „LAUF“, „FIGHT“, „Industrial Drive“ und „Humans in Motion“.
In seiner Laudatio im Rahmen der Verleihung des 54. Stuttgarter Kompositionspreises an Annesley Black sagte Hans-Peter Jahn über „Humans in Motion“, dass die Bewegung dort „mit einer subtilen Genialität“ musikalisch hinterfragt, karikiert, zur Disposition gestellt werde: „Sie lässt permanent unterschiedliche Geschöpfe an uns vorbeimarschieren und wir müssen sie dekuvrieren – aber das gelingt eigentlich nicht, weil sie zum Teil so derartig ausrangiert sind, zerbrochen, kaputt, zunächst auch gar nicht greifbar […]. Fast das ganze Stück über werden Töne und Klänge gefunden bei der Vorstellung dieser unterschiedlichen Gang- und Bewegungsarten, die nicht frei schwingen können. Und da ist der Erfindungsreichtum dieses Werkes großartig.“

Andere Stücke Annesley Blacks fordern von den Interpreten besondere Bewegungen, wie „Smooche de la Rooche II“ für drei athletisch begabte Schlagzeuger, wo von den Interpreten rhythmisches Seilspringen gefordert wird, oder wie „SCHLAEGERMUSIK“ für Badmintonverein und Live-Elektronik, wo die Bewegungen des Badmintonspiels musikalisiert werden. In Annesley Blacks „4238 De Bullion“ für Klavier und live-elektronische Klang- und Videobearbeitung wird die Bewegung des Klavierspiels subtil hinterfragt, da die scheinbar live auf Leinwand übertragenen Bilder des Pianisten unterschiedlichen Stadien von Synchronität und Asynchronität zur live am Klavier gespielten Musik durchlaufen. Die groß auf der Leinwand zu sehenden Bewegungen des Pianisten bleiben so oftmals ohne klangliches Äquivalent und umgekehrt.
Annesley Blacks Interesse am Visuellen in Verbindung mit der Musik zeigt sich auch in ihren Auseinandersetzungen mit dem Medium Film, wie in der musikalischen Studie zu Dziga Vertovs Stummfilm „Kino Eye“ (2007) oder in der Musik zu Yukihiro Taguchi Experimantalfilm „Moment- performatives Spazieren“ (2009) sowie in Ihrer Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Sophie Narr im Rahmen der gemeinsamen Klang- und Videoinstallation „Pull the Plug“ (2010).

Termine

Termine

  1. 04.07.2013, 00:05

    Deutschlandradio Kultur - "Neue Musik"

    Annesley Black/Robin Hofmann "GURU GURU - Doppelrequiem für Steve Jobs und Karlheinz Stockhausen"

    Ensemble Ascolta

  2. 13.07.2013, 20:00

    Freies Musikzentrum Stuttgart

    Annesley Black: "smooche de la rooche II"
    Gordon Kampe: "sweet home"
    Hannes Seidl/Daniel Kötter: "Film für übers Sofa"

    Suono Mobile

  3. 26.09.2013

    Warschauer Herbst

    Annesley Black: "Snow Job"

    European Workshop for Contemporary Music, Ltg.: Rüdiger Bohn

  4. 20.10.2013

    Donaueschinger Musiktage, Erich-Kästner-Halle

    Annesley Black: „flowers of carnage“ für Hauptdarstellerin und vier Musikergruppen (UA)

    AG Neue Musik am Leininger-Gymnasium Grünstadt

  5. November 2013

    Erscheinen einer Portrait-CD mit Musik von Annesley Black in der "Edition zeitgenössische Musik"

  6. 07.11.2013

    Klangwerkstatt Berlin

    • Annesley Black: "Jenny's last Rock" (UA der zweiten Fassung)
    • Leopold Hurt: "Erratischer Block"

    Ensemble Mosaik

  7. 19.12.2013

    e-werk, Freiburg i.Br.

    Annesley Black: "Snow Job"

    ensemble surplus

Archiv

  1. 06.05.2013

    Stadthalle Bieberach

    Annesley Black: "Scissors"

    Andrew Digby (Posaune)

  2. 28.04.2013, 22:00

    WDR 3

    Sendung zum Improvisationskonzert: "White Series" bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik

    Dieter Ammann (Trompete und Klavier), Annesley Black (Elektronik), Andrew Digby (Posaune) und Robin Hoffmann (Vogelstimmen)

  3. 26.04.2013, 24:00

    UNIKAT(CLUB), Wittener Tage für Neue Kammermusik

    "White Series" - Improvisationskonzert

    Dieter Ammann (Trompete und Klavier), Annesley Black (Elektronik), Andrew Digby (Posaune) und Robin Hoffmann (Vogelstimmen)

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